Pfefferspray olé?

10. September 2010

Ein Kommentar von Karl Klar als Reaktion auf die jüngste Berichterstattung, siehe OÖN.

Die Linzer Stadtwache (vulgo Ordnungsdienst) ist bekanntlich nicht bewaffnet, sehr zum Bedauern des FPÖ-Stadtrats Detlef Wimmer. Zuerst wünschte er sich Schlagstöcke für seine Truppe. Als diese nach heftigem Widerstand im Sicherheitsausschuß des Gemeinderats nicht durchsetzbar schienen, machte er sich für den Einsatz von Pfefferspray stark. (Einmal hörte man in einem Interview, dass sich die StadtwächterInnen ja auch gegen Hunde verteidigen können müssen. Ich bin nun wahrlich kein Tier-Experte, aber einem scharfen Hund Pfefferspray in die Augen zu sprühen erscheint mir noch gefährlicher als evschlin Wochenendausflug mit Jörg Haider.)

Ein Pfefferspray ist eine gefährliche Waffe, dies wird leider gerne verschwieden oder verharmlost. Gerade bei Personen, die starke Medikamente oder Drogen eingenommen haben, kann der Einsatz von Pfefferspray auch tödlich enden (siehe Artikel im Spiegel Online).

Und natürlich steht eine Bewaffnung im krassen Widerspruch zu den Bemühungen von SPÖ, ÖVP und FPÖ die Stadtwache als service-orientiertes Ordnungspersonal zu verkaufen. Diese Forderung lässt sich sehr einfach dechiffrieren: Die Stadtwache soll mehr Autorität und Durchsetzungskraft bekommen. Und was wird der nächste Schritt sein? Der Ruf nach mehr Kompetenz, und das heißt Ausweiskontrollen, Personen-Durchsuchungen und Strafmöglichkeiten. Eine Forderungsspirale ganz im Sinne des wirklichen Erfinders, der FPÖ, wird sich in Gang setzen. Und es wird sich herausstellen, wie lange die SPÖ als de-fakto gesetzgebende Macht in Linz den populistisch leicht verkaufbaren Forderungen standhalten wird.

Es steht zu befürchten, dass die Linzer SPÖ so wie die Welser GenossInnen lieber ihren eingeschüchterten, sich nach der Utopie Sicherheit sehnenden StammwählerInnen Marke 50+ beweisen wollen, dass sie sich ihrer Probleme annehmen. Denn dass man einen Detlef Wimmer, eine FPÖ populistisch in ihrem ureigenstem Territorium, dem Geschäft mit der Angst, nicht überholen kann, hat die österreichische Sozialdemokratie leider bis heute noch nicht gelernt.

Daher zum Schluss noch ein Vorschlag: Schaffen wir die Stadtwache einfach ab und kaufen dafür jedem Linzer/jeder Linzerin einen Pfefferspray: Diese kosten pro Stück 4 €, bei 200.000 LinzerInnen macht das gesamt nur 800.000 € – und voilà, wir haben in der vielzitierten Krisenzeit 1.000.000 € gespart. Dann kann jede/r Ordnungsdienst spielen, sich dabei sicher fühlen und die AugenärztInnen machen auch noch einen ordentlichen Reibach.

  1. Kurt Unklar
    Sep 10th, 2010 at 21:25
    Reply | Quote | #1

    Typisch grün und das auch hinter den Ohren. Wie viele Arbeitsplätze sichert der Verkauf von 200.000 Pfefferspraydosen? Wohl keine 16 über´s Jahr denke ich.

    Lieber Karl Klar aka T.D.:
    lieber sollten Sie denken, bevor Sie tippseln, nicht umgekehrt!

  2. admin
    Sep 12th, 2010 at 14:31
    Reply | Quote | #2

    @Kurt Unklar
    Lieber Herr Unklar,

    danke für ihren Kommentar, ich gebe ihnen Recht: Die Pfefferspraydosenindustrie bietet sicher weniger Arbeitsplätze als jene der Stadtwächter. Wenn wir darauf den Hauptaugenmerk legen, können wir ja auch noch die restlichen 5000 arbeitslosen LinzerInnen eine Stadtwache-Uniform spendieren, und wir haben endlich die langersehnte 0%-Arbeitslosigkeit!

    Danke für den Input,
    Karl Klar